Sprachgeschichte
Hindi ist die offizielle Sprache der Indischen Union. Die Sprache wird laut der letzten Volkszählung von ca. 350 Millionen Menschen als Erst- und ca. 70 Millionen als Zweit- oder Drittsprache gesprochen. Diese Zahlen sind sehr fragwürdig, da unter dem Sammelbegriff Hindi auch Regionalsprachen zusammengefasst werden, die sich im Sprachbau deutlich vom Hindi unterscheiden. Hier sind zum Beispiel Avadhi, Braj Bhasha, Bhojpuri und Magadhi zu nennen. Es ist anzunehmen, dass die Zahl der Muttersprachler weitaus geringer ist, während deutlich mehr als 70 Millionen Inder Hindi als Zweitsprache sprechen. Seriösen Schätzungen zu Folge wird Hindi von etwa einer halben Milliarde Menschen verstanden. Hindi dient im Norden Südasiens von Peshawar bis Calcutta als Lingua Franca.
Hindi ist sehr eng mit dem Urdu verwandt. Die beiden Sprachen teilen die selbe Grammatik und ein gemeinsames Grundvokabular. Die Unterscheidung von Hindi und Urdu, die ein Sprachkontinuum bilden, ist das Ergebnis eines Dichotomisierungsprozesses, der im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert stattfand.
Hindi und Urdu haben in der Khari Boli, einer Regionalsprache, die in und um Delhi gesprochen wurde, ihren gemeinsamen Ursprung. Als Delhi während des Delhi-Sultanats und im Moghulreich zum politischen Zentrum Indiens wurde, erhielt die Khari Boli eine überregional bedeutsame Rolle als Lingua Franca. Die Sprache hatte mehrere Namen. Hindi, Hindavi, Hindui, Hindustani, Rekhta, Bhakha bezeichneten allesamt die Verkehrssprache.
Das "High Hindi" oder "Shuddh Hindi" ist eine Erfindung des 19. Jahrhunderts. Damals begannen (Hindu-)Nationalisten damit, Wörter persischen und arabischen Ursprungs aus der Sprache zu eliminieren und durch Neologismen aus dem Sanskrit zu ersetzen.
Diese "Reinigung" der Sprache von "ausländischen" Einflüssen sollte Hindi zur Sprache der Hindus machen.
Lesen Sie hierzu auch:
Making a Difference: Hindi, 1880 - 1930 von Alok Rai
One Language, Two Scripts: The Hindi Movement in Nineteenth Century North India von Christopher King
The Nationalization of Hindu Traditions von Vasudha Dalmia
Die Hindi-Schrift
Hindi wird zumeist in Devanagari geschrieben. Devanagari (oder auch Nagari) wird für zahlreiche indische Sprachen, unter anderem Sanskrit, verwendet. Nagari ist eine phonetische Schrift und ist relativ leicht zu erlernen.
Kaithi ist eine weitere Schrift, die für Hindi verwendet wird. Besonders im östlichen Uttar Pradesh und in Bihar wird Kaithi verwendet. Kaithi ist eine Art Steno-Variante des Nagari. In der indischen Armee wird Hindi in lateinischen Buchstaben geschrieben. Urdu wird in Nastaliq, einer Stilart der persischen Kalligraphie geschrieben.
Hindi lernen an der Uni
Hindi kann an den meisten Universitäten, die Indologie anbieten, gelernt werden. Zum Beispiel an folgenden Universitäten:
Indologie an der Universität Tübingen
Moderne Indologie am Südasieninstitut der Uni Heidelberg
Hindi Sprachkurse
Teach Yourself Hindi ist ein sehr guter Sprachkurs, der an mehreren Universitäten als Lehrbuch Verwendung findet. Das Werk vermittelt ein Hindi, das sich in der "gesunden Mitte" des Hindi-Urdu-Sprachkontinuums befindet. Der einzige Mangel besteht in der schlechten Vermittlung der Schrift. Inzwischen ist mit Beginner's Hindi Script
ein Buch vom selben Autor erschienen, das dieses Defizit kompensiert. Daneben ist die Anschaffung von Outline of Hindi Grammar
empfehlenswert.
The Oxford Hindi-English Dictionary von R.S. McGregor ist ein sehr gutes und kompaktes Wörterbuch, das auch zahlreiche Wörter persischen und arabischen Ursprungs, die im umgangssprachlichen Hindi von Bedeutung sind, enthält.
Pimsleur Hindi ist gut dazu geeignet, die eigene Sprechkompetenz zu verbessern. Dieser Konversations-Sprachkurs arbeitet mit der "Papageienmethode". Der Lernende plappert zunächst nur nach und wird allmählich dazu gebracht, eigene Sätze zu sprechen.
Den Lernalltag etwas abwechslungsreicher gestalten kann Sprachlernsoftware. Rosetta Stone Premium 1 - Hindi ist eine nette Ergänzung zu jedem Sprachkurs. Eventuell ist auch Talk Now Anfänger - Hindi
zu gebrauchen.
Für einen Indien- oder Pakistanurlaub können Sprachführer hilfreich sein. Kauderwelsch, Hindi Wort für Wort und Hindu & Urdu Phrasebook
sind Beispiele für solche Sprachführer. In beiden Büchern fehlt jedoch der wichtigste Satz für einen Indienaufenthalt. Dieser lautet:
Ich möchte Tee ohne Zucker
Hindiliteratur
Mitunter wird versucht, eine Geschichte der Hindiliteratur zu konstruieren, die bis ins indische Mittelalter zurückreicht. Diese Art der Literaturgeschichte nimmt die in Braj Bhasha und Awadhi verfasste Bhakti-Literatur für das Hindi in Anspruch. Auf der grammatischen Grundlage der Khari Boli und in Devanagari verfasste Werke lassen sich jedoch erst ab dem späten 18. Jahrhundert nachweisen. Insha Allah Khans "Rana Ketki ki Kahani" von 1803 sowie Lallu Lals "Premsagar" (1805) können als erste Werke einer Literatur verstanden werden, die eine von persischen und arabischen Lehnwörtern befreite Stilvariante der Khari Boli benutzten.
Trotz der Bemühungen hindunationaler Kräfte während der Hindi-Urdu-Kontroverse, blieb Hindi lange Zeit das "Stiefkind" der indischen Literatur. Die neue Literatursprache fand lange Zeit keine Akzeptanz in der indischen Bevölkerung. Erst ab den Zwanzigerjahren des 20. Jahrhunderts fanden sich Autoren, die das Hindi auf ein akzeptables literarisches Niveau hoben. Als erster moderner Hindi-Autor kann Munshi Premchand gelten, der mit seinen Kurzgeschichten die Hindiliteratur auf die Bühne der Weltliteratur hob.
Weiterführende Literatur
Aufsätze
Some Notes on Hindi and Urdu von Ralph Russel
Informationen zu einzelnen Hindi Autoren
Institute und Organisationen